ZWP spezial 5/2004 • Juli • 4. Jahrgang Designpreis 2004 Lounges in der Zahnarztpraxis
Designpr Deutschlands schön Preisträger Dres. Bormann, Hildesheim Designer: Dipl.-Ing. Ina Schönwälder, Hildesheim
reis 2004 nste Zahnarztpraxis Weitere positive Beiträge 18 20 22 24 26 28 29 30 32 Dr. Dr. Sießegger, Köln Praxis Guggenberger, München Praxis Rage & Holm, Bocholt Dr. Gebel, Eschenbach Praxis Kleinsman & Kleinsman, Bocholt Dr. Mohr, Neu-Isenburg Dr. Aull, Rheine Dr. Brahms, Düsseldorf Dr. Deppe, Gütersloh
Preisträger Dres. Bormann, Hildesheim Designer: Dipl.-Ing. Ina Schönwälder, Hildesheim Die diesjährige Auswahl des Preisträgers war wieder einmal nicht leicht. Alle nachfolgenden Praxen sind funktional, formal und handwerk- lich auf hohem Niveau ausgestaltet. Letztendlich überzeugte unter den aus- gewählten Praxen eine ganz besonders, in ihrem planerischen Ansatz, dessen Umsetzung und deren innovativen Farb- & Lichtkonzept. Die Praxis von Dres. Bormann zeigt eine ganz neue Generation von Corporate Design beim Zahnarzt auf: Eine Praxis für die Sinne. Die Gestaltung der „dreidimensionalen Schnecke“ im Warte- und Anmeldebereich punktet mit ihrer schlichten Eleganz und Aus- führung. Durch den spiralförmigen Aufbau werden die Ankommenden ganz selbstver-
ständlich in den Wartebereich im Inneren der Spirale geleitet. Ihre erlebte Dreidimensiona - lität lässt den Raum fließen und vergrößert ihn optisch. Die Hauptrolle jedoch, der Star der Praxiseinrichtung, spielt das Lichtdesign. Ausge- hend von dem Ansatz, eine eigene, intro- vertierte Welt zu schaffen, entschloss man sich dazu, den Außenraum auszublenden. Das Tageslicht wurde aus der Praxis verbannt und mit raumhohen, transluzenten, beleuchteten Schiebeelementen verstellt. Die Lichtfarbe ist für jeden Raum separat steuerbar, sodass unter- schiedliche Stimmungen oder auch fließend wechselnde Farbspiele erzeugt werden können. Abhängig von der von außen einfallenden Lichtintensität verändert sich das Erscheinungs- bild, von pastellig dezent an einem hellen Som- mertag, bis zu leuchtenden Blau, Grün, Gelb und Rot an einem dunklen Wintertag und Abend. Vierzehn Millionen Farben sollen möglich sein. Die Behandlungszimmer sind sehr schlicht gestaltet, nur das Wesentliche ist sicht- bar. Der Behandlungsstuhl steht solitär, die Schränke sind unsichtbar integriert. Zusätzlich gleiten noch Bildsequenzen via Beamer durch die zwei Behandlungsräume. Ein perfektes Am- biente, um die Patienten, hier sind es in jedem Fall Kunden, zu verzaubern.
Langsam wird es zur Regel – die Designer des Gewinners und einer Nennung in 2003 sind auch beim Designpreis 2004 wieder mit einem positiven Beitrag vertreten. Hier werden anscheinend ansprechende Praxen am laufenden Band „designt“ und realisiert. Warme Farben von der Holz- oberfläche (Riegelahornfurnier) und sand/grau eingefärbte Zementböden lassen eine fast me- diterrane Stimmung aufkommen. Sanfte Rundungen an Wandtäfelung, Empfangstheke und der elegante Beratungstisch tun ihr Übriges für das wohltuende Erscheinungsbild der Praxis von Dr. Dr. Sießegger in Köln. Das gesamte Praxisdesign zeigt eine weiche Linienführung mit wechselnden Lichtstimmungen. Alles wurde bis ins kleinste Detail individuell gestaltet und ent- wickelt. Man kann also schon auf die nächste Praxisvorstellung für den Designpreis 2005 ge- spannt sein.
Dr. Dr. Sießegger, Köln Designer: pd raumplan , Köln
Ein leichter 60er-Jahre-Lock, selbst- verständlich mit „der“ Farbe dieser Zeit, so präsentiert sich die Praxis von Sandra Guggenberger in München. Nichts ist übertrieben, alles wirkt ge- wollt und ist so wie es sein muss. Eine freundliche Praxis, die zeigt, dass mit relativ bescheidenen Materialeinsatz viel erreicht werden kann. Allerdings muss das Wenige richtig herausra- gen, damit es zur Wirkung kommt. Bei der Planung wurde auf helle, lichtdurchflutete Raumgestaltung und eine positive Farbgestaltung Wert gelegt. Auf der leuchtenden Rezeptions- theke, welche einem großen Schreib- tisch mit ausgefallenem Design gleicht, steht dieser Doktrin folgend ein optisch anspruchsvoller und leis - tungsfähiger Computer, ein weißer i-Mac. Hier werden so genannte „Maulwurfhaufen“ durch Karteikar- ten, Rechnungen usw. durch eine konsequent „papierfreie Praxis“ ver- mieden. Das gesamte Erscheinungsbild der Praxis ist aufeinander abgestimmt und folgt dieser Linie. Kundeninfor- mationen, Praxisdarstellung, Briefbo- gen, Visitenkarten, Grafikdesign und Einrichtungsdesign, alles ist aus ei- nem Guss. Praxis Guggenberger, München Design: SchneiderMöbeldesign, Ulm
G S a n d r a G u g g e n b e rg e r > Praxis für Zahnheilkunde
Weiß und Kirschbaumholz – im- mer ein gelungenes Zusammen- spiel. Um eine angenehme Atmos phäre zu schaffen, kombi- nierte Architekt Roebrock be- wusst warme Materialien und Farben. Eingesetzt wurden helle Böden, Kirschbaumholz, Edel- stahl sowie eine akzentuierte Be- leuchtung. Eine Dachverglasung zwischen Empfang, Warteraum und Galerieebene sorgt für natür- liche Lichtverhältnisse. Die Patienten können sich in der „Warteoase“ behaglich zurück - lehnen. Bei gutem Wetter steht den Patienten eine vom Wartebe- reich aus erreichbare Holzterrasse zur Verfügung. In den Behand- lungszimmern legten Bauherr und Architekt viel Wert auf Funk- tion und Design. Moderne freiste- hende Behandlungszeilen, integ - rierte Flachbildschirme und hoch- wertige Behandlungsstühle prä- gen das Bild der Behandlungs- räume. Noblesse oblige in Bocholt.
Praxis Rage & Holm, Bocholt Designer: Architekturbüro Roebrock, Bocholt
Dr. Gebel, Eschenbach Design: JURETZKA ARCHITEKTEN, Weiden
JURETZKA ARCHITEKTEN lieferten dem Bauherrn eine sauber bis ins Detail durchdachte und ausgeführte Praxis ab, modern und mit der nötigen Prise Zeitgeist, aber nicht modisch. Es wurde ein großzügiger, zentraler Innenbereich geschaffen, der Transparenz bewirkt sowie verschiedene Ein-, Aus- und Durchblicke ermöglicht. Die Farben grau, weiß und ein schwarz-weißer Linoleumboden, eine klassische Materialkom- bination im Gesundheitsbereich, ist bei der Praxis Gebel in Eschenbach perfekt mit Holz, guten Formen und Proportionen und wenig dezenter Kunst am Bau kombiniert. Der gekonnte Material- und Formeinsatz zieht sich auch äußerst angenehm bis in das „stille Örtchen“ fort. Angenehm vor allem, weil bei dieser Einrichtung auf so genannte „Designerware“ verzichtet wurde. Es geht auch ohne, sehr gut und sehr überzeugend.
Bocholt ist pro Einwohner gerechnet scheinbar das Mekka der gut gestalteten Zahnarzt- praxen. Auch bei der Praxis Kleinsman & Kleinsman gilt noblesse oblige, obwohl sie sich deutlich cooler präsentiert. Die Lamellenholz wand verbirgt Beratungs- und Funktions- räume, und hinter der satinierten Glaswand finden sich die vier Behandlungszimmer. Diese halten auch von innen das Designversprechen, das sich schon von außen andeutet. Der Empfang steht als aufgelöster „Kubus“ wie ein Raum im Raum, mit einem integrierten TV für die Wartenden. Wenig Material, Holz in Form von Lamellen, Glastrennwände und der Rest in schlichtem Weiß machen diese Praxis zu einem echten Highlight.
Praxis Kleinsman & Kleinsman, Bocholt Design: Architektenbüro Kleinsman, Arnhem (NL)
Dr. Mohr spricht in seinem Erläuterungs- text von Schweif, Kometen, Trabanten und Satelliten, von Möglichkeiten, dem „starren Prinzip des rechten Winkels zu entweichen“. Das muss man nicht erzwingen, ist doch der rechte Winkel eines der wenigen Dinge, die wir der Natur entgegensetzen können. Die Praxis Dr. Mohr hat das offensichtlich un- geliebte „starre Prinzip des rechten Winkels“ charmant und ideenreich aufgelöst. Der so genannte Komet, bestehend aus der Rotunde (Empfangs- bereich) in der ersten Raumhälfte und dem Schweif (Flur), einer gefalteten Glaswand in der zweiten Raumhälfte, ist das zentrale Element im Grundriss. Wie Satelliten und Trabanten sind die abge- henden Funktions- und Technikräume um diese zentrale Achse angeordnet. Harmonie und ein fließend, weiches Raumgefühl werden so erzeugt. Das Universum in einer Praxis, formal sehr gut mit schlichten Materialien umge- setzt. g r u b n e s I - u e N , r h o M . r D h c i e e r D i , m u a r r u t k e t i h c r a : r e n g i s e D
Dr. Aull, Rheine Designer: HEIKA, Verl Dr. Aull hat sich einen offenen und transpa - renten Erlebnisraum mit positiver Ausstrahlung geschaffen. Es wurde bewusst auf kräftige und warme Farben verzichtet und ein offener Rezeptionsbereich gewählt. Im Kontrast dazu wurde in der gesamten Praxis ein warmer Par- kettfußboden verlegt. Die Gestaltung aller wichtigen Wände erfolgte zu großen Teilen aus Glas. Jeder Arbeitsplatz und Aufenthaltsraum hat durch größtmögliche Fenster Sichtkontakt zum Außenraum. Das Geschehen während der Behandlung stellt kein Geheimnis dar: Durch eine raumhohe Verglasung in drei von fünf Be- handlungsräumen werden hier Einblicke gewährt. Das Gesamtergebnis, die Interpreta- tion einer weißen Praxis kann sich in jedem Falle sehen lassen.
Dr. Brahms, Düsseldorf Designer: PRIOR ARCHITEKTEN, Düsseldorf
Was kommt dabei raus, wenn der Zahnarzt mit dem Architekten seit zwanzig Jahren befreun- det ist, vor dem Hintergrund, dass Bauen = Grauen ist? Dr. Brahms und sein Freund, der Ar- chitekt Prior, haben es trotzdem versucht. Und an dem Ergebnis werden sie sicherlich noch lange Freude haben. Zitat aus den Bewerbungsunterlagen vom Ar- chitekten „Dr. Brahms Handlungen sind klar, schnörkellos, fast asketisch ...“ Der Gesamteindruck der Praxis spiegelt diesen Charakter wider. In der Einrichtung herrscht ein angenehmer Minimalismus vor. Eine warme Note erhält das Ganze durch edle Materialien, wie Zebranoholz, den Natursteinboden sowie der indirekten Deckenbeleuchtung. Die Möbel sind bewusst sehr streng und zurückhaltend gestaltet, um einer Überfrachtung vorzubeu- gen. Das Ziel war es, mit raumhohen Glaselementen und wenigen Materialien den Gesamtraum erkennbar zu machen, damit der Patient seinen Weg findet und sich leicht zu orientieren weiß. Der Empfangstisch und die Ellipse vor den Be- handlungsräumen sind „erhoben“, da hier Ort und Funktion besondere Wichtigkeit zukommt.
Dr. Deppe, Gütersloh Designer: Architekt Robert Beyer, Berlin Die Praxis Dr. Deppe mit fünf Behandlungs- und zwei Prophylaxeräumen befindet sich im Staffelgeschoss (Penthouse) eines neu errichteten Sparkassengebäudes in Gütersloh, welche vierseitig verglast ist. Im zentralen Mittelblock befinden sich der Empfangstresen und um diesen sind in einer dreispannigen Anlage die Behandlungsräume angeordnet. Dieser zentrale Raumblock ist mit Schiebetüren versehen, sodass alle Räume, wie Röntgen und Mundhygiene, jederzeit auf kürzestem Wege von den Behandlungsräumen erreicht werden können. Der gesamte Block ist mit einer Holzverkleidung aus hellem Ahorn versehen und wurde in der Gestaltung wie ein Möbel behandelt. Behandlungszimmer, Wartebereich und Funktionsräume liegen also an den Fensterachsen. Kein neues Konzept, aber gut und hochfunktional. Architekt Beyer setzte es ganz im Sinne eines klassisch propor- tionierten Innenausbaues mit gekonnter Hand um. Verwendet wurden gute Formen mit klas- sischen und stimmigen Materialien. Alles ist da, wo es hingehört. Ein Hauch von japani - scher Askese weht durch die Penthousepraxis von Dr. Deppe in Gütersloh.