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Kieferorthopädie 13.08.2012

Klasse II-Fälle komplett ästhetisch behandeln

Klasse II-Fälle komplett ästhetisch behandeln

Im Rahmen des diesjährigen AAO-Kongresses in Honolulu/Hawaii stellte Dr. Luis Carrière den neuen Clear Distalizer® vor. KN sprach mit ihm.

Anlässlich der AAO-Jahrestagung 2004 in Orlando stellten Sie erstmals den Carrière Distalizer vor. Heute – acht Jahre später – präsentieren Sie die mit Spannung erwartete ästhetische Version in Hawaii. Wieso haben Sie sich mit der Entwicklung so viel Zeit gelassen?

Der Distalizer ist eine sehr simple Apparatur und äußerst mi­nimalistisch, was Material und Einfachheit angeht. Wir haben uns damals entschieden, zuerst mit Metall zu arbeiten, da dieses sehr geschmeidig ist. Damit spricht es auch jene Patienten an, denen es nicht so sehr um die Ästhetik geht. Nach etwa drei Jahren entwickel­te sich dann eine große Nachfra­ge nach einem wirklich ästhetischen Distalizer, den kei­ner als Klasse II-Gerät erkennen sollte. Somit begannen wir mit der Entwicklung des Clear Distalizer® (für Deutschland exklusiv bei der Firma ODS*). Und genau diesen haben wir jetzt hier in Ha-waii für all jene Behandlungen vorgestellt, die eine komplett ästhetische Herangehensweise von Beginn an verlangen, z.B. komplexe Behandlungen wie Klasse II-Fälle in Kombination mit Invisalign® oder lingualen Brackets.

Aus welchem Material ist die neue Apparatur gefertigt?

Wir haben für die Apparatur ein Co-Polymer verwendet. Dieses Ma­terial ist sowohl ästhetisch ansprechend als auch sehr stabil, was die Steifigkeit anbelangt. Zudem ist es sehr resistent ge­gen­über Wasser und wird auch für ästhetische Brackets verwendet. Bevor wir uns jedoch für dieses Co-Polymer entschieden haben, hatten wir bereits diverse andere Materialien getestet.

Welche Unterschiede hinsichtlich des Designs und vor allem welche Vorteile bietet der Clear Distalizer® im Vergleich zur Edelstahl-Variante?

Das Design ist genau dasselbe wie bei der Edelstahl-Apparatur, jedoch haben wir kleine zusätzliche Verstärkungsrippen integriert, um die Verwendung eines ästhetischen Materials zu er­möglichen. Dadurch werden die optischen Aspekte der Apparatur jedoch in keiner Weise beeinträchtigt, sie gleicht komplett der Edelstahl-Apparatur. Und natürlich ist sie darüber hinaus nahe­zu unsichtbar, da sie sich aufgrund ihrer Transluzenz der natürlichen Zahnfarbe perfekt anpasst. In dieser Hinsicht ist der Clear Distalizer® einzigartig. Im Prinzip haben wir also nur einige Kleinigkeiten im Design verändert, um die Stärke zu verbessern. Was die Vorteile im Hinblick auf biomechanische Aspekte anbelangt, so gibt es keinerlei Unterschiede. Der Clear Distalizer® bie­tet den gleichen klinischen Effekt wie die Edelstahl-Variante. Dennoch ist als ein klarer Vor­teil zu verzeichnen, dass wir nun ei­ne komplett ästhetische Behandlung für Klasse II-Korrekturen ermöglichen. Insofern un­terscheidet sich der Distalizer von anderen Apparaturen wie beispielsweise Herbst- oder den vielen anderen Klasse II-Geräten, die mitunter sehr kompliziert und unförmig sind. Mit dieser Apparatur bieten wir dem Anwender die Möglichkeit, schwierige Klasse II-Fälle in einem ersten Behandlungsschritt auf ästhetische Art und Weise in eine Klasse I-Plattform zu überstellen. Im zweiten Schritt kann die Behandlung dann mit ästhetischen Technologien abgeschlossen werden, die sonst eher schwierig für einen Klasse II-Fall anzuwenden gewesen wären, wie z.B. Invisalign oder die Lingualtechnik. Somit können alle Klasse II-Fälle komplett ästhetisch behandelt werden.

Wie viele Fälle wurden bisher mit der neuen Gerätevariante behandelt?

Bisher haben wir mit dieser Technologie etwa 90 Fälle behandelt. Dabei konnten wir keinerlei biomechanischen Aspekt ausmachen, der weiterer Korrekturen bedarf. Letztendlich ist es ja nur eine Frage des Erscheinungsbildes. Man kann mit dem ästhetischen Distalizer das exakt gleiche Behandlungsergebnis wie mit der herkömmlichen Appa­ratur erzielen, eben nur auf unsichtbare Art und Weise.

Welche Altersgruppe wird den ästhetischen Distalizer Ihrer Meinung nach bevorzugen?

Ich glaube, der ästhetische Distalizer ist für all jene interessant, die sich mit ästhetischen Aspekten auseinandersetzen. Diese Patienten möchten eine möglichst unsichtbare Behandlung – ob nun mittels Lingualtechnik oder Aligner –, um ihre Malokklusion zu korrigieren. In Fällen, bei denen vestibuläre Metallbrackets zum Einsatz kommen, verkürzt sich die Zeit, in der diese sichtbar im Mund sind, extrem, da wir am Anfang den ästhetischen Distalizer nutzen können. Somit bietet sich für jeden Patienten, egal ob er nun mit traditionellen oder ästhetischen Brackets, mittels Lingualtechnik oder Invisalign behandelt wird, die Möglichkeit, die aktive Behandlungsphase erheblich zu verkürzen. Das heißt, der Distalizer übernimmt die Klasse II-Korrektur und reduziert somit die Phase der Behandlung, in der Brackets zum Einsatz kommen.

Was können Sie uns hinsichtlich Verfärbung sagen?

Die Apparatur wurde auf verschie­dene Arten getestet, um zum einen die Stabilität und zum anderen die Verfärbungsresistenz zu überprüfen. Obwohl der Distalizer letztendlich ja nur drei Monate lang getragen wird, haben wir für die Tests dennoch deutlich längere Zeiträume gewählt. Es zeigten sich keinerlei Verfärbungen.

Der Steg des Edelstahl-Distalizers ist leicht biegbar. Wie ist dies beim ästhetischen Distalizer?

Der Distalizer wurde als eine Apparatur gestaltet, die in Design und Struktur bereits die zusätzlichen Kollisionspunkte enthält, um die notwendige Rotation der Molaren zu ermöglichen – ohne dabei eine Überrotation zu erzeugen – und das nötige Auf­richten der Molaren ohne eine Neigung nach distal zu gewährleisten. Die Kollisionspunkte im Gelenk oder die Artikulation des Distalizers verhindern jegliche Bewegung, die sich während der Korrektur negativ auswirken könnte. Um die Apparatur zu kleben, müssen wir zunächst die indi­viduell erforderliche Länge der Apparatur messen. Dabei wurde der Distalizer so gefertigt, dass er keiner zusätzlichen Anpassung bzw. Biegung bedarf. Ich persönlich biege auch bei der Edelstahl-Gerätevariante niemals den Steg. Ich messe lediglich, entnehme den Distalizer aus der Packung, bestücke die Pads mit Kleber und positioniere die Apparatur in der korrekten Position. In Fällen, bei denen wir es mit einem rotierten Eckzahn zu tun haben, sollte die Positionierung auf der distalen Seite des Zahnes erfolgen. Unabhängig davon wird der Eckzahn durch das Bonden fest mit dem Distalizer verbunden, sodass die Korrektur genau in dieser Position unverändert bis zum Ende der Distalisierung des posterioren Blocks erfolgt. Im nächsten Behandlungsschritt wird dann mithilfe der Brackets die Rotation des Eckzahns kor­rigiert.

Der Carrière-Distalizer aus Edelstahl ist in verschiedenen Größen erhältlich. Welche Größen werden mit dem ästhetischen Distalizer angeboten?

Der Clear Distalizer® wird zunächst in den bekannten sechs Standardgrößen (16, 18, 20, 23, 25 und 27mm) angeboten.

Wann wird der neue Distalizer in Deutschland erhältlich sein?

Soweit ich informiert bin, im Juli.

Sie sind bekannt für Ihre Kreativität. Welche Entwicklungen erwarten uns in der Zukunft?

Wir arbeiten derzeit an verschiedenen Dingen, von denen ich natürlich sehr gern berichten wür­de. Leider ist mir das im Moment noch nicht möglich. Jedoch hoffe ich, dass wir auch weiterhin all die Dinge umsetzen können, die uns einfach Spaß machen. So versuchen wir auch in Zukunft, die in der Kieferorthopädie oftmals vorherrschende Komplexi­tät von Behandlungsapparaturen so weit wie möglich zu minimieren. Schließlich möchten wir den Patienten die bestmögliche Behandlung und den größtmögli­chen Komfort zukommen lassen, indem wir die korrigierenden Eingriffe so gering und einfach wie möglich halten. 

Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

 

Kontakt:

ODS GmbH
Dorfstraße 5
24629 Kisdorf
Tel.: 04193 9658-40
Fax: 04193 9658-41
info@orthodent.de
www.orthodent.de

Foto: © OEMUS MEDIA AG
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